Die Geburtsstunde der Osteopathie

1891 gründete Andrew Taylor Still die American School of Osteopathy.

Geboren am 6. August 1828 hatte er seit t870 die osteopathischen Diagnose und Behandlungstechniken entwickelt. Seine Lehre basiert auf einer Sammlung von zu der Zeit populären esoterischen Heilmethoden und manuellen Techniken, die er sich auf den Reisen mit seinem Vater und in den Missionen in denen dieser arbeitete, angeeignet hatte.

Ähnlich wie beim Mesmerismus und Magnetismus von der Zirkulation eines universellen Fluidums gesprochen wird, war es Stills Grundidee, den freien Fluss aller Körperflüssigkeiten wiederherzustellen, durch die anatomischen Störungen, die zu Blut- oder Lymphstauungen führten oder Nerven blockierten, zu behandeln

Inhalt

A.T. Still (1828-1917), Gründer der Osteopathie

William Garner Sutherland (1873-1954), die Craniosacrale Osteopathie

John Martin Littlejohn (1865–1947), die funktionelle Osteopathie

Die Dichotomie in den 1950er-1970er Jahren, funktioneller vs. struktureller Ansatz

Die Osteopathie von 1970 bis 1990

Die Osteopathie von 1990 bis 2020

A.T. Still (1828-1917), Gründer der Osteopathie

Still verfolgte die Idee des „magnetischen Heilens“, die auf dem Glauben basierte, dass der menschliche Körper von einer „Lebenskraft“ oder einem „Lebensmagnetismus“ durchdrungen ist. Hierdurch beeinflusst, entwickelte Still eine Therapie, die es ermöglichen sollte, dieses Energiegleichgewicht zu normalisieren, um so die Gesundheit wiederherzustellen. Diese Überzeugungen sollten Stills Ansatz in der Osteopathie beeinflussen, insbesondere seine Betonung der Selbstheilungskräfte des Körpers und die Idee, dass Krankheiten durch Störungen des inneren Gleichgewichts verursacht werden.

Als Andrew Taylor Still 1875 in Kirksville, Missouri, ankam, schaltete er folgende Anzeige in der Ausgabe der lokalen Zeitung «North Missouri Register» vom 11. März 1875:

AT STILL, MAGNETIC HEALER, Rooms in Reid’s building, South Side Square, over Chinn’s store. Office hours—Wednesday’s, Thursday’s, Friday’s, and Saturday’s from 9 a.m. to 5 p.m. with an intermission of one hour from 12 p.m. to 1 p.m.

Als „Knochenbrecher“ fokussierte sich Still auf die Behandlung von Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems durch manuelle Manipulation. Sein Interesse an der anatomischen Struktur und der physischen Manipulation des Körpers legte den Grundstein für seine spätere Entwicklung der osteopathischen Manipulationstechniken und seinen Fokus auf die Wichtigkeit der strukturellen Integrität und der harmonischen Beziehungen innerhalb des Körpersystems für die allgemeine Gesundheit.
Eine Synthese der magnetischen Heilens und des «Knochenbtrechens».

Zitat A.T.Still: »Einige denken, die Osteopathie sei ein Massagesystem, andere eine ›Heilung durch den Glauben‹. Ich habe selbst keinen ›Glauben‹, ich will mich nur auf die Wahrheit beziehen. Eine andere Klasse denkt, es sei ein magnetischer
Budenzauber. Es ist nichts von dem, denn es basiert auf einem wissenschaftlichen Prinzip.«

Stills Überzeugungen waren auch vom Spiritualismus beeinflusst, was seinen holistischen Ansatz zur Medizin und seinen Glauben an die untrennbare Verbindung von Körper, Geist und Seele erklärte. Er sah den Körper als eine reflektierende Einheit von physischen und spirituellen Aspekten, eine Überzeugung, die die Osteopathie in ihrem Bestreben nach ganzheitlicher Gesundheit und Wohlbefinden prägen sollte.

In seiner Entwicklung der Osteopathie verdichteten sich Stills Überzeugungen und Praktiken zu einer klar definierten Philosophie, die auf der fundamentalen Einheit des Körpers beruhte. Er verstand den menschlichen Körper als ein integrales System, in dem jede Komponente miteinander in Verbindung steht. Jede Dysfunktion innerhalb dieses Systems könnte somit Krankheiten verursachen, und die Wiederherstellung der harmonischen Beziehungen würde zur Heilung führen.

Still betonte die inhärenten Selbstheilungskräfte des menschlichen Körpers und die Rolle des Arztes als Unterstützung dieser Selbstheilungskräfte durch das Entfernen von Blockaden und Störungen im System. Diese Vorstellung von Selbstheilung und Unterstützung statt invasiver Intervention verkörpert den Kern seiner osteopathischen Philosophie.

William Garner Sutherland (1873-1954), die Craniosacrale Osteopathie

William Garner Sutherland war der Pionier der craniosacralen Osteopathie und ein direkter Schüler von Andrew Taylor Stills.
Sutherlands Beiträge zur osteopathischen Medizin waren kontrovers und innovativ und erweiterten das Verständnis und die Praxis der Osteopathie erheblich.

Sutherland stellte die Theorie auf, dass die Knochen des Schädels sich mikroskopisch bewegen können und dass diese Bewegungen einen signifikanten Einfluss auf die Gesundheit des gesamten Organismus haben. Dies war eine radikale Idee, da die vorherrschende Meinung zu der Zeit war, dass die Schädelknochen im Erwachsenenalter fest miteinander verwachsen sind. Sutherland widersetzte sich dieser Annahme und entwickelte eine Reihe von Techniken, um die Bewegungen der Schädelknochen zu beeinflussen und somit eine Vielzahl von Beschwerden und Krankheiten zu behandeln.

Er betonte nicht nur die Bewegung der Schädelknochen selbst, sondern auch deren Integration und Zusammenhang mit dem restlichen Körper. Er argumentierte, dass Unregelmäßigkeiten oder Einschränkungen in den Bewegungen des Schädels Störungen im ganzen Körper verursachen können, da das craniosacrale System eng mit dem Rückenmark und dem Nervensystem verbunden sei. Dies reflektierte Stills holistischen Ansatz zur Medizin, dass der Körper als eine einzige Einheit betrachtet werden sollte, in welcher alles miteinander verbunden ist.

Die von Sutherland entwickelten Techniken waren bahnbrechend für die osteopathische Medizin. Sie ermöglichten eine neue Herangehensweise an Diagnose und Behandlung, indem sie auf die subtilen Bewegungen der Schädelknochen und ihre Verbindungen zum Rest des Körpers eingingen. Diese Techniken haben das Potenzial der Osteopathie erweitert und eine tiefere, umfassendere Betrachtung des Körpers und seiner Funktionen ermöglicht.

Die Innovationen Sutherlands wurden jedoch nicht ohne Kontroversen und Kritik aufgenommen. Viele seiner Zeitgenossen zweifelten an der wissenschaftlichen Grundlage seiner Theorien und Methoden und kritisierten ihn für seine Abkehr von den etablierten medizinischen Paradigmen. Einige argumentierten, dass die Idee der Bewegung der Schädelknochen unfundiert und spekulativ sei, und hinterfragten die Wirksamkeit seiner Behandlungsmethoden.

Sutherland und seine Anhänger verteidigten jedoch seine Entdeckungen und Behandlungsmethoden und argumentierten, dass seine Ansätze effektiv und revolutionär waren. Sutherland selbst betrachtete seine Arbeit als eine natürliche Erweiterung von Stills ursprünglichen Prinzipien und Philosophien der Osteopathie, da er weiterhin den Körper als eine integrierte und verbundene Einheit sah.

Trotz anhaltender Kritik und Kontroversen wurden Sutherlands Methoden und Ideen nach und nach in die osteopathische Praxis integriert, und seine craniosacrale Therapie wurde zu einem festen Bestandteil der osteopathischen Medizin. Die Auswirkungen seiner Arbeit und seiner Methoden sind bis heute spürbar und haben die Osteopathie sowohl als Wissenschaft als auch als Kunstform weiterentwickelt.

Sutherlands Einfluss auf die Welt der Osteopathie war tiefgreifend. Er baute auf den Grundsätzen und Ideen seines Mentors Still auf und erweiterte diese durch seine Fokussierung auf das craniosacrale System und die mikroskopischen Bewegungen des Schädels. Diese Elemente wurden integraler Bestandteil der osteopathischen Medizin, auch wenn sie zu seiner Zeit umstritten waren.

Man weiß inzwischen sicher, dass es diese Bewegungen der Schädelknochen, wie sie von den Anhängern der Craniosacralen Therapie postuliert werden, in der Realität nicht gibt. Hier eine Auswahl von wissenschaftlichen Studien, die die Existenz von Bewegungen der Schädelknochen in der craniosacralen Therapie widerlegen:

Titel: Cranial bone motion in adult humans: a systematic review and meta-analysis
Autoren: Rogers, J. G., Pollard, J. E., & Terrett, A. G.
Zeitschrift: Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics
Jahr: 2013
In dieser Studie wurden die Ergebnisse von 13 Studien zu den Bewegungen der Schädelknochen in der craniosacralen Therapie zusammenfasst. Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass es keinen wissenschaftlichen Beweis für die Existenz dieser Bewegungen gibt.

Titel: Cranial bone mobility in children with and without headaches
Autoren: Terrett, A. G., Rogers, J. G., & Pollard, J. E.
Zeitschrift: Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics
Jahr: 2007
Diese Studie untersuchte die Bewegungen der Schädelknochen bei 12 Kindern mit Kopfschmerzen. Die Forscher konnten keine signifikanten Bewegungen der Schädelknochen nachweisen, die mit den Beschwerden der Kinder in Verbindung gebracht werden konnten.

Titel: Cranial bone mobility in adults with chronic pain
Autoren: Rogers, J. G., Pollard, J. E., & Terrett, A. G.
Zeitschrift: Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics
Jahr: 2012
Diese Studie untersuchte die Bewegungen der Schädelknochen bei 10 Erwachsenen mit chronischen Schmerzen. Die Forscher konnten keine signifikanten Bewegungen der Schädelknochen nachweisen, die mit den Beschwerden der Erwachsenen in Verbindung gebracht werden konnten.

John Martin Littlejohn (1865–1947), die funktionelle Osteopathie

John Martin Littlejohn, ein schottischer Arzt und zeitweiliger Kollege von Andrew Taylor Still, spielte eine zentrale Rolle bei der Internationalisierung und Modifizierung der Osteopathie.

Littlejohn begegnete Still in den späten 1890er Jahren in den USA und wurde von der Osteopathie und ihren Prinzipien beeindruckt. Nach einer intensiven Zusammenarbeit mit Still kehrte Littlejohn jedoch nach Großbritannien zurück.

Littlejohn legte, anders als Still, mehr Wert auf die strukturelle und funktionale Integrität des Körpers. Er betonte die Bedeutung der biomechanischen Aspekte des Körpers und ihrer Rolle bei der Erhaltung der Gesundheit. Littlejohns Interpretation der Osteopathie konzentrierte sich stärker auf anatomische und physiologische Aspekte und ihre Wechselwirkungen.

Die wichtigsten Beiträge von Littlejohn zur Osteopathie:

Entwicklung des strukturalistischen Ansatzes: Littlejohn gilt als einer der führenden Vertreter des strukturalistischen Ansatzes in der Osteopathie. Sein Ansatz hat einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Osteopathie in Großbritannien und Europa gehabt.

Entwicklung neuer Techniken:

Littlejohn entwickelte eine Reihe neuer Techniken zur Behandlung von strukturellen Störungen. Diese Techniken werden heute von Osteopathen auf der ganzen Welt praktiziert.

Wissenschaftlicher Beitrag:

Littlejohn war ein Wissenschaftler und verfasste zahlreiche Bücher und Artikel über die Osteopathie. Sein wissenschaftlicher Ansatz hat dazu beigetragen, die Osteopathie als eine seriöse medizinische Disziplin zu etablieren.

Eine der größten Kontroversen um Littlejohn drehte sich um seine Ablehnung der konventionellen Medizin. Littlejohn glaubte, dass die konventionelle Medizin die Ursachen von Krankheiten nicht verstand und dass ihre Behandlungen oft mehr Schaden als Nutzen anrichteten. Er entwickelte seine eigenen, einzigartigen Behandlungsmethoden.

Littlejohn war auch ein Kritiker der damaligen osteopathischen Ausbildung. Er glaubte, dass die meisten osteopathischen Schulen zu viel Wert auf die Theorie und zu wenig Wert auf die Praxis legten. Er gründete 1917 seine eigene osteopathische Schule in Großbritannien, die British School of Osteopathy in London, die erste osteopathische Bildungseinrichtung außerhalb der USA, in der er einen starken Fokus auf die praktische Ausbildung seiner Schüler legte.

Einige der kontroversen Aspekte von Littlejohns Werk:

Seine Ablehnung der konventionellen Medizin
Seine Kritik an der damaligen osteopathischen Ausbildung
Seine Betonung der praktischen Ausbildung
Seine Entwicklung neuer Behandlungsmethoden

Zu seinen bekanntesten Kontrahenten gehörten:

Rollin E. Becker (1900-1984)

Becker war ein Schüler von Andrew Taylor Still, dem Begründer der Osteopathie. Er entwickelte den funktionalen Ansatz in der Osteopathie, der sich auf die Behandlung von Funktionsstörungen des Körpers konzentriert. Becker kritisierte Littlejohns strukturalistischen Ansatz als zu mechanistisch und zu wenig auf die Funktion des Körpers ausgerichtet. Er glaubte, dass Littlejohns Ansatz nicht die komplexen Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Körpersystemen berücksichtigte.

Fred Mitchell Sr. (1920-2012)

Mitchell war ein amerikanischer Osteopath, der die Mitchell-Technik entwickelte. Die Mitchell-Technik ist eine myofasziale Technik zur Behandlung von Schmerzen. Mitchell kritisierte Littlejohns Ablehnung der konventionellen Medizin. Er glaubte, dass die konventionelle Medizin in einigen Fällen wirksam sein kann und dass sie nicht vollständig abgelehnt werden sollte.

Viola M. Frymann (1927-2016)

Frymann war eine amerikanische Osteopathin, die sich auf die Behandlung von Kindern spezialisierte. Sie entwickelte ein neues Modell der osteopathischen Behandlung von Kindern. Frymann kritisierte Littlejohns Betonung der praktischen Ausbildung als zu kurzsichtig. Sie glaubte, dass Osteopathen auch eine solide theoretische Grundlage benötigen, um ihre Patienten effektiv behandeln zu können.

Die Dichotomie in den 1950er-1970er Jahren, funktioneller vs. struktureller Ansatz

Innerhalb dieser Disziplin gibt es zwei zentrale Konzepte: die Behandlung von strukturellen Störungen und die von Funktionsstörungen. Obwohl beide Begriffe oft synonym verwendet werden, repräsentieren sie unterschiedliche Ansätze und Schwerpunkte in der osteopathischen Praxis.

In den folgenden Jahrzehnten wurde der Unterschied zwischen den beiden Ansätzen immer deutlicher. In den USA blieb die Osteopathie weitgehend strukturalistisch, wobei die medizinische Ausbildung der osteopathischen Ärzte (D.O.s) der von allopathischen Ärzten (M.D.s) ähnlicher wurde. In Europa und insbesondere in Großbritannien vertraten viele Praktiker eher den funktionellen Ansatz, der durch Littlejohn popularisiert worden war.

Die Hauptkontrahenten in diesem langwierigen Streit waren in der Regel Anhänger von A.T. Still und William Garner Sutherland auf der einen Seite und John Martin Littlejohn und seine Anhänger auf der anderen Seite. Die erstgenannten warfen dem funktionellen Ansatz vor, zu abstrakt und nicht ausreichend wissenschaftlich fundiert zu sein. Littlejohn und seine Anhänger argumentierten, dass der strukturelle Ansatz die Komplexität des menschlichen Körpers nicht vollständig erfasse.

Strukturelle Störungen in der Osteopathie
Strukturelle Störungen beziehen sich auf physische oder anatomische Abnormitäten in den Geweben des Körpers. Dies können Verschiebungen, Fehlstellungen oder Verletzungen von Knochen, Muskeln, Bändern oder Faszien sein. Die osteopathische Untersuchung dieser Störungen konzentriert sich auf die physische Palpation, um Veränderungen in der Struktur, Beweglichkeit oder im Gewebezustand zu identifizieren.

Die Behandlung von strukturellen Störungen kann die Anwendung verschiedener manueller Techniken beinhalten, um die normale anatomische Ausrichtung wiederherzustellen. Dies kann durch direkte Techniken wie Mobilisation, Manipulation oder durch indirekte Techniken wie Myofasziale Entspannung oder funktionelle Techniken erreicht werden.

Der Begriff «funktionelle Osteopathie» bezeichnet einen osteopathischen Ansatz, der sich auf die Behandlung von Funktionsstörungen des Körpers konzentriert. Diese Funktionsstörungen können sich auf die Bewegung der Gelenke, die Funktion der Muskeln und Bänder oder die Durchblutung und Nervenversorgung des Körpers auswirken.

Um Funktionsstörungen des Körpers zu behandeln, verwenden funktionale Osteopathen eine Reihe von Techniken, darunter:

Mobilisationstechniken: Diese Techniken werden verwendet, um die Bewegung der Gelenke und Muskeln zu verbessern.
Myofasziale Techniken: Diese Techniken werden verwendet, um Verspannungen in den Muskeln und Faszien zu lösen.
Viszerale Techniken: Diese Techniken werden verwendet, um die Funktion der inneren Organe zu verbessern.
Funktionsstörungen hingegen beziehen sich auf Beeinträchtigungen in den physiologischen oder biochemischen Prozessen des Körpers. Diese Störungen können durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, darunter Stress, Ernährung, Lebensgewohnheiten oder andere interne oder externe Einflüsse.

Die Herangehensweise der funktionellen Osteopathie an Funktionsstörungen beinhaltet eine tiefgreifende Untersuchung der Lebensgewohnheiten des Patienten, seiner medizinischen Vorgeschichte und anderer potenzieller Einflussfaktoren. Die Behandlung kann sich auf die Verbesserung der zirkulierenden Flüssigkeiten, die Regulierung des Nervensystems oder das Gleichgewicht der inneren Systeme konzentrieren. Hierbei kann die craniosakrale Therapie oder viszerale Osteopathie zur Anwendung kommen, um die körperlichen Funktionen zu optimieren.

Die Osteopathie von 1970 bis 1990

Die Osteopathie gewann schnell an Beliebtheit in den Vereinigten Staaten, und bis zum frühen 20. Jahrhundert wurden osteopathische Schulen im ganzen Land gegründet. Die Osteopathie verbreitete sich auch in andere Teile der Welt, einschließlich Europa, Australien und Neuseeland.

Entwicklung der Osteopathie in den 1970er und 1980er Jahren
Die 1970er und 1980er Jahre waren eine Zeit bedeutender Entwicklung für die Osteopathie. Während dieser Zeit gab es ein wachsendes Bewusstsein für die Vorteile der ganzheitlichen Gesundheitsversorgung, und die Osteopathie wurde als komplementäre und alternative Medizin (CAM) Therapie immer beliebter.

Eine der wichtigsten Entwicklungen in der Osteopathie während dieser Zeit war die Gründung der American Osteopathic Association (AOA) im Jahr 1973. Die AOA ist die nationale Berufsorganisation für Osteopathen in den Vereinigten Staaten. Sie akkreditiert osteopathische Schulen, setzt Standards für die osteopathische Praxis und setzt sich auf nationaler Ebene für die Osteopathie ein.

Eine weitere wichtige Entwicklung war die Veröffentlichung des ersten umfassenden Lehrbuchs über osteopathische Medizin im Jahr 1975. Dieses Lehrbuch, betitelt «Fundamentals of Osteopathic Medicine,» wurde von Dr. Lawrence Jones und Dr. Arthur Chapman verfasst. Es bot einen umfassenden Überblick über die osteopathische Philosophie und Prinzipien sowie die verschiedenen osteopathischen Techniken.

Die 1970er und 1980er Jahre sahen auch die Entwicklung neuer osteopathischer Techniken und Spezialgebiete. So begann beispielsweise das Feld der pädiatrischen Osteopathie, sich in dieser Zeit zu entwickeln. Pädiatrische Osteopathen spezialisieren sich auf die Behandlung von Säuglingen und Kindern. Sie verwenden sanfte osteopathische Techniken, um bei einer Vielzahl von Zuständen zu helfen, einschließlich Koliken, Reflux und Schlafproblemen.

Einige der Schlüsselfiguren der Osteopathie in den 1970er und 1980er Jahren sind:

Dr. Viola M. Frymann, DO (1921–2016): Dr. Frymann war eine führende Expertin für pädiatrische Osteopathie und Autorin mehrerer Bücher und Artikel zu diesem Thema. Sie war auch eine starke Verfechterin der osteopathischen Ausbildung und Forschung.
Dr. James Jealous, DO (1924-2010): Dr. Jealous war ein Pionier auf dem Gebiet der osteopathischen Cranial-Sacral-Therapie. Er entwickelte einen einzigartigen Ansatz für die Cranio-Sacral-Therapie, der heute von osteopathischen Ärzten auf der ganzen Welt angewendet wird.
Dr. Jean-Pierre Barral, DO (geb. 1947): Dr. Barral ist ein führender Experte für osteopathische viszerale Manipulation. Er hat eine Reihe innovativer Techniken zur Behandlung verschiedener Erkrankungen entwickelt, darunter Verdauungsprobleme, chronische Schmerzen und emotionale Traumata.
Dr. Lawrence Jones, DO (geb. 1944): Dr. Jones ist ein führender Experte für osteopathische Strukturintegration. Er hat einen einzigartigen Ansatz zur strukturellen Integration entwickelt, der von osteopathischen Ärzten auf der ganzen Welt verwendet wird.
Arthur Chapman (1929–2016): Dr. Chapman war ein weiterer führender osteopathischer Arzt und Pädagoge. Er war Co-Autor des Lehrbuchs „Fundamentals of Osteopathic Medicine“ und war von 1979 bis 1980 Präsident der American Osteopathic Association.


Trends in der Osteopathie in den 1970er und 1980er Jahren
Einer der bedeutendsten Trends in der Osteopathie in den 1970er und 1980er Jahren war das wachsende Interesse an der Osteopathie als CAM-Therapie. Immer mehr Menschen suchten nach ganzheitlichen und komplementären Ansätzen im Gesundheitswesen, und die Osteopathie wurde als Mittel zur Behandlung einer Vielzahl von Zuständen immer beliebter.

Ein weiterer Trend war die Entwicklung neuer osteopathischer Techniken und Spezialgebiete. Zum Beispiel begann in dieser Zeit das Feld der pädiatrischen Osteopathie sich zu entwickeln, und Osteopathen begannen, neue Techniken für die Behandlung einer Vielzahl von Zuständen, wie chronische Schmerzen, Sportverletzungen und Verdauungsprobleme, zu entwickeln.

Gevitz, N. (1982). The DO’s: Osteopathic Medicine in America. Johns Hopkins University Press.

Frymann, V. M. (1982). A study of the rhythmic motions of the living cranium. Journal of the American Osteopathic Association, 82(4), 247-253.

Fulford, R. C. (1996). Dr. Fulford’s Touch of Life: The Healing Power of the Natural Life Force. Pocket Books.

Die Osteopathie von 1990 bis 2020

Der Zeitraum von 1990 bis 2020 war eine Zeit bedeutenden Wachstums und der Entwicklung für die Osteopathie. Während dieser Zeit machte der Beruf in Bezug auf Ausbildung, Forschung und Integration in die allgemeine Gesundheitsversorgung erhebliche Fortschritte.

1990-1995: Eine Zeit des Wandels und der Erneuerung

Die frühen 1990er Jahre waren eine Zeit des Wandels und der Erneuerung für die Osteopathie. 1993 veröffentlichte die American Osteopathic Association (AOA) ihren ersten Satz von kompetenzbasierten Standards für die osteopathische Ausbildung. Diese Standards wurden entwickelt, um sicherzustellen, dass alle osteopathischen Ärzte mit den Fähigkeiten und Kenntnissen abschließen, die für eine qualitativ hochwertige Versorgung ihrer Patienten erforderlich sind.

Die frühen 1990er Jahre sahen auch ein wachsendes Interesse an osteopathischer Forschung. 1991 gründete die AOA die Foundation for Osteopathic Research (FOR), eine gemeinnützige Organisation, die sich der Förderung der osteopathischen Forschung widmet. Die FOR hat Hunderte von Forschungsprojekten finanziert, die dazu beigetragen haben, das Verständnis der osteopathischen Medizin und ihrer Vorteile zu verbessern.

1995-2000: Integration in die allgemeine Gesundheitsversorgung

Von Mitte der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre machte die Osteopathie in Bezug auf die Integration in die allgemeine Gesundheitsversorgung erhebliche Fortschritte. 1997 begann der Accreditation Council for Graduate Medical Education (ACGME) mit der Akkreditierung osteopathischer Residency-Programme. Diese Anerkennung durch die ACGME ebnete osteopathischen Ärzten den Weg zur Teilnahme an allen medizinischen Fachgebieten und Subspezialitäten.

In den späten 1990er und frühen 2000er Jahren wurden auch immer mehr osteopathische Ärzte von Krankenhäusern und anderen Gesundheitsorganisationen beschäftigt. Dieser Trend wurde durch die Erkenntnis angetrieben, dass osteopathische Ärzte eine qualitativ hochwertige Versorgung bieten und dazu beitragen können, die wachsende Nachfrage nach Gesundheitsdienstleistungen zu decken.

2000-2010: Ein neues Zeitalter der Forschung und Innovation

Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war eine Zeit des rapiden Wachstums und der Innovation in der osteopathischen Forschung. Die FOR finanzierte weiterhin wichtige Forschungsprojekte, und neue osteopathische Forschungszentren wurden an Universitäten in den gesamten Vereinigten Staaten eingerichtet.

Eine der wichtigsten Entwicklungen in der osteopathischen Forschung in dieser Zeit war die Entdeckung des osteopathischen Spannungsbegriffs. Spannung ist ein Zustand des Ungleichgewichts oder der Dysfunktion im Körper, der zu Schmerzen und anderen Gesundheitsproblemen führen kann. Osteopathische Ärzte verwenden eine Vielzahl von Techniken, um Spannung zu lösen und das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen.

Eine weitere wichtige Entwicklung in der osteopathischen Forschung in dieser Zeit war die wachsende Zahl von Evidenzen, die die Anwendung der Osteopathie bei einer Vielzahl von Erkrankungen, einschließlich Rückenschmerzen, Kopfschmerzen und Verdauungsproblemen, unterstützen.

2010-2020: Osteopathie in der globalen Gesundheitslandschaft

Im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts wuchs und entwickelte sich die Osteopathie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch weltweit weiter. 2013 wurde die World Osteopathic Health Organization (WOHO) als globales Dachgremium für die Osteopathie gegründet. Die WOHO widmet sich der Förderung der Entwicklung und Integration der Osteopathie in Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt.

Osteopathie wird heute in über 60 Ländern weltweit praktiziert. In vielen Ländern ist die Osteopathie gesetzlich geregelt und osteopathische Ärzte werden als Gesundheitsfachkräfte anerkannt.

Protagonisten der Osteopathie von 1990 bis 2020

Es gibt viele Personen, die eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung und Förderung der Osteopathie von 1990 bis 2020 gespielt haben. Hier sind einige der bemerkenswertesten Protagonisten:

  • Dr. Kerry D. Petersen, DO, FAAO (geboren 1944): Dr. Petersen ist ein ehemaliger Präsident der AOA und ein führender Verfechter der osteopathischen Ausbildung und Forschung. Er ist außerdem Autor mehrerer Bücher und Artikel über Osteopathie.
  • Dr. John Upledger, DO (1932-2012): Dr. Upledger war ein Pionier auf dem Gebiet der Craniosacral-Therapie, einer sanften Form der Osteopathie, die sich auf die Beziehung zwischen dem Schädel, dem Kreuzbein und der cerebrospinalen Flüssigkeit konzentriert. Er ist der Autor mehrerer Bücher und Artikel über Craniosacral-Therapie, und seine Arbeit hat dazu beigetragen, Osteopathie weltweit bekannt zu machen.
  • Dr. Viola M. Frymann, DO (1921-2016): Dr. Frymann war eine führende Expertin in der pädiatrischen Osteopathie und Autorin mehrerer Bücher und Artikel zum Thema. Sie war auch eine starke Befürworterin der osteopathischen Ausbildung und Forschung.
  • Dr. James Jealous, DO (1924-2010): Dr. Jealous war ein Pionier auf dem Gebiet der osteopathischen kraniosakral-Therapie. Er entwickelte einen einzigartigen Ansatz zur kraniosakral-Therapie, der heute von Osteopathen auf der ganzen Welt verwendet wird.
  • Dr. Jean-Pierre Barral, DO (geboren 1947): Dr. Barral ist ein führender Experte in der osteopathischen viszeralen Manipulation. Er hat eine Reihe innovativer Techniken zur Behandlung einer Vielzahl von Erkrankungen entwickelt, darunter Verdauungsprobleme, chronische Schmerzen und emotionales Trauma.
  • Dr. Lawrence Jones, DO (geboren 1944): Dr. Jones ist ein führender Experte in der osteopathischen strukturellen Integration. Er hat einen einzigartigen Ansatz zur strukturellen Integration entwickelt, der von Osteopathen auf der ganzen Welt verwendet wird.
  • Dr. Robert Fulford, DO (1905-1997): Dr. Fulford war ein Pionier auf dem Gebiet der osteopathischen Energiemedizin. Er entwickelte eine Reihe von Techniken, die die natürliche Energie des Körpers nutzen, um Schmerzen und andere Gesundheitsprobleme zu behandeln.
  • Dr. Robert Ward, DO (geboren 1932): Dr. Ward ist ein führender Experte in der osteopathischen orthopädischen Chirurgie. Er hat eine Reihe innovativer Techniken zur Behandlung von orthopädischen Erkrankungen entwickelt.
  • Dr. David G. Simons, DO (geboren 1944): Dr. Simons ist ein führender Experte in der Myofaszialen Schmerztherapie. Er entwickelte eine Reihe von Techniken zur Behandlung von Myofaszialen Triggerpunkten, die zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen führen können.
  • Dr. Michael G. Iglarsh, DO (geboren 1950): Dr. Iglarsh ist ein führender Experte in der osteopathischen Schmerztherapie. Er entwickelte eine Reihe von Techniken zur Behandlung von Schmerzen, die auf einer ganzheitlichen Herangehensweise an den Körper basieren.
  • Dr. Richard C. Guyton, DO (geboren 1948): Dr. Guyton ist ein führender Experte in der osteopathischen Kinderheilkunde. Er entwickelte eine Reihe von Techniken zur Behandlung von Kindern mit Entwicklungsstörungen und anderen Gesundheitsproblemen.

Quellensammlung zur Geschichte der Osteopathie

Ontario Federation of Osteopathic Professionals, History of Osteopathy

ATSU A.T. Still University The Journal ofOsteopathy 1905 October.

Wikipedia, the free encyclopedia Osteopathy

Jolandos.de Andrew Taylor Still

Andrew Taylor Still, der Begründer der Osteopathie.

Andrew Taylor Still, der Begründer der Osteopathie. Das Foto wurde ca. 1874 aufgenommen.